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Herr / FrauHerr Dr. Günther Schuster
PositionLeiter
der FirmaBundessozialamt Wien, NÖ, Burgenland
gibt zu diesem Beitrag:Mein Kind ist von Geburt an irreparabel auf einem Auge blind. Durch die Überbelastung ist das andere Auge auch sehgeschwächt, so dass eine Brille getragen werden muss (die Krankenkasse ist auch nicht sehr entgegenkommend, wenn mein Sohn eine neue Brille braucht). Das Bundessozialamt meint, mein Sohn wäre zu 40 % behindert. Beim ersten Ansuchen auf Erhöhung (50 %) war es nötig, ein Lichtbild für die eventuelle Ausstellung eines Behindertenausweises mitzuschicken. Mein erstes Ansuchen wurde abgelehnt, ich konnte aber mit meinem Sohn persönlich vorsprechen. Die Untersuchungsmethoden waren mehr als mittelalterlich. Mehr will ich dazu nicht sagen. Auf meinen schriftlichen Einspruch gegen das Untersuchungsergebnis wurde mir eine Ablehnung geschickt und das Passbild retourniert. Es ist in meinen Augen eine Frechheit, wie man Untersuchungen durchführt und auf Ansuchen reagiert. Mein Kind leidet unter dieser Situation. Eine Erhöhung würde bedeuten, dass mir der finanzielle Unterschied von Geburt an nachbezahlt werden muss. Das wird der Grund für die Ablehnung sein. Vielleicht hat jemand einen Rat, was ich noch machen kann, da ja ein Einspruch, wie man sieht, nichts bringt. Ich finde es für notwendig, dies hier aufzuzeigen, damit man sieht, wie der Staat mit der Gesundheit unserer Kinder umgeht. Eine sehr enttäuschte Mutter
gepostet vondiechaoten am 31.1.2002, 23:00
folgendes Statement ab:Zum eigentlichen Beitrag der enttäuschten Mutter möchte ich nur anführen, dass wir sie zu einem ausführlichen Beratungsgespräch eingeladen haben, da aus ihrem Beitrag erkennbar ist, dass es sich offenbar um eine sehr komplexe soziale Situation handelt, für die mehrere öffentliche Stellen zuständig sind. Zu den bisher zu diesem Beitrag eingelangten Stimmen würde ich aber gerne inhaltlich Stellung nehmen: 1) Ich halte es nicht nur für berechtigt, sondern für oftmals existenziell notwendig, als behinderter Mensch oder für behinderte Familienangehörige die angebotenen Sozialleistungen auch in Anspruch zu nehmen. Die mit Krankheit und Behinderung verbundenen zusätzlichen Kosten in der Deckung der Grundbedürfnisse sind beträchtlich und für Nichtbetroffene oft nicht sofort nachvollziehbar. Aus meiner Sicht ist es eine Kernaufgabe des Staates, durch verschiedenste Angebote die Lebenssituation dieser Menschen zu verbessern. 2) Mit der Inanspruchnahme dieser Leistungen sind unbestreitbar Mühen verbunden. Es sind verschiedene Stellen zuständig, überall muss geklärt werden, ob die Krankheit oder Behinderung so schwer ist, dass die jeweile Leistung auch zusteht. Diese Wege sind für die Betroffenen nicht immer angenehm und erfordern einiges an Geduld und eine gute Kooperation zwischen den zuständigen Stellen. Wir bemühen uns, in unserer Arbeit unseren Kunden diese Wege zu erleichtern und aktiv mit unseren Partnern (Land, AMS, Sozialversicherungsträger) zusammenzuarbeiten. 3) Die angesprochenen Probleme von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt decken sich mit unseren Erfahrungen. Viele Unternehmer haben große Vorbehalte, kranke oder behinderte Menschen einzustellen und begründen dies mit den arbeitsrechtlichen Schutzbestimmungen. Wir wissen aber, dass es sehr oft Vorurteile oder allgemeine Ängste sind, die Unternehmer zu dieser Haltung veranlassen. Es wird Menschen mit Behinderungen oft automatisch nicht zugetraut, eine normale Arbeitsleistung zu erbringen und zwar auch dann, wenn im Einzelfall überhaupt kein Zusammenhang zwischen der Behinderung und dem Arbeitsinhalt besteht. Wir kennen zahlreiche Fälle, wo Menschen mit Behinderungen berufliche Spitzenleistungen erbringen. Natürlich ist das nicht immer so; Leistungsminderungen oder zusätzliche Bedürfnisse im betrieblichen Alltag können auftreten. Dafür haben wir gut ausgebildete BeraterInnen und wenn notwendig auch die entsprechenden Förderungen in Geld- oder Sachleistungen. Und zuletzt sollte auch nicht verschwiegen werden, dass auch wir manchmal in Einzelfällen erkennen müssen, dass jemand seine Krankheit oder Behinderung nutzt, um andere Ziele und Interessen zu verfolgen. Im Großen und Ganzen ist aber jede Krankheit und Behinderung eine schwierige individuelle Lebenssituation, die von den Betroffenen sehr viel Kraft und Energie zur Bewältigung abverlangt, und letztlich gibt es in unserer Gesellschaft noch ganz generell zu viele Vorurteile, aber auch Barrieren, die die eigentliche Behinderung für diesen Personenkreis sind. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Günther Schuster

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